Wann kriegt das Baby Ei, Kuhmilch und Erdnussbutter?

3-5% aller Kinder leiden unter einer Nahrungsmittelallergie. Betroffene Kinder werden von Anschwellen der Lippen und der Nasenscheimhaut geplagt. Sie haben juckende Haut oder eine Neurodermitis. Sie können Erbrechen, einen geblähten Bauch und Durchfall entwickeln, schließlich sogar Asthma.

Um die  Entstehung einer Nahrungsmittelallergie zu verhindern, galt jahrelang die Regel, die häufigsten potentiellen Auslöser erst so spät wie möglich in die Ernährung von Babies einzuführen. Dazu gehören Ei, Milch, Erd- und Baumnüsse, Fisch und Krustentiere, Weizen und Soja. Besonders bei Kindern, in deren Familien andere Mitglieder an allergischen Erkrankungen leiden, hat man diese Vorbeugemaßnahme ergriffen und potentiell krankmachende Nahrungsmittel im ersten Lebensjahr nicht gegeben.

Bei der allergischen Bronchitis und beim Asthma weiß man jedoch seit einigen Jahren, dass Kinder, die frühzeitig und in ausgeprägtem Maße mit Staub, Tierhaaren oder Schimmelpilzen in Kontakt kommen (wie z. B. Kinder auf Bauernhöfen) diese Krankheiten seltener bekommen. Vorbeugend besonders viel Staub zu putzen hilft also nicht. Das Pendel schlägt jetzt auch im Umgang mit Nahrungsmitteln um: Frühere Zuführung ist angesagt.

Ein Forscherteam um Osamu Natsume vom National Center for Child Health and Development in Tokio hat untersucht, ob das Zufüttern von Ei bei Babies eine Ei-Allergie im Alter von einem Jahr erfolgreich verhindern kann. Die Hälfte der fast 150 Babies erhielt zwischen dem sechsten und neunten Monat täglich 50 Milligramm erhitztes Eipulver und anschließend bis zum Alter von einem Jahr 250 Milligramm Eipulver täglich. Die andere Hälfte der Kinder bekam kein Eipulver. Das Ergebnis: In der Ei-Gruppe hatten deutlich weniger Kinder  eine Ei-Allergie als in der Placebo-Gruppe. Die schrittweise, relativ frühe Einführung von gekochtem Ei scheint somit eine erfolgreiche Vorbeugungsmaßnahme zu sein.

Da komt es gerade recht, dass die neu veröffentlichten Leitlinien des US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) empfehlen, Säuglingen mit schweren Ekzemen, Eiallergie oder beidem, was als ein hohes Risiko zur Entwicklung einer Erdnussallergie gilt, bereits ab einem Alter von 4–6 Monaten erdnusshaltige Lebensmittel in die Ernährung einzuführen.

Und schließlich kommt eine Unterstudie der CHILD-Studie (Canadian Healthy Infant Longitudinal Development), an der über 3.500 Familien mit ihren nach 2010 geborenen Kindern teilnehmen, zu dem Schluss, dass Milch und Ei eher früh als spät eingeführt werden sollten. In dieser Studie liegen umfassende Informationen über die Ernährung in den ersten 2 Lebensjahren sowie Ergebnisse von Hauttests auf gängige Nahrungsmittel-Allergene vor. Dazu füllten die Eltern detaillierte Fragebögen aus, ab wann sie welche Nahrungsmittel zufütterten.

Die beste vorbeugende Maßnahme gegen Nahrungsmittelallergien, darin sind sich alle einig, bleibt aber das Stillen. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie empfiehlt deshalb, Babies mindestens in den ersten vier Lebensmonaten zu stillen. Weiterhin wird empfohlen, mögliche allergene Lebensmittel ab dem vierten und sechsten Monat zuzufüttern – nicht davor, aber auch nicht deutlich danach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.