Und wieder Neues vom ADS

Teil 1

Jetzt gibt es die neue Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und wurde von 30 Fachgesellschaften unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) veröffentlicht. Das diagnostische und therapeutische Ziel sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Die neue Leitlinie erreicht erstmals den höchsten Entwicklungsgrad, nämlich S3. Bemerkenswert ist die gelockerte Anwendung von Medikamenten. Im Unterschied zu früheren Empfehlungen rät die aktuelle Leitlinie dazu, schon bei mittelschweren Krankheitsformen Pharmaka einzusetzen. Selbst kritisch eingestellte Experten wie Professor Dr. Manfred Döpfner, Kinderpsychologe an der Uni Köln, sehen einen Mehrwert: „Die Kernsymptome der ADHS, die Hibbeligkeit und Unkonzentriertheit, sind ohne Medikamente schwer in den Griff zu bekommen“,

Bei den typischen Merkmalen des AD(H)S fordern die Autoren eine umfassende Diagnostik durch Experten, um es von anderen Störungsbildern wie Depressionen oder Angststörungen abzugrenzen. Das kann bei jungen Patienten ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ein speziell ausgebildeter Kinderarzt sein.

Hingegen warnt Professor Dr. Silvia Schneider von der Ruhr-Universität Bochum.: „ADHS wird häufig überdiagnostiziert – auch von Experten“. Zusammen mit Kollegen hat Schneider im Jahr 2012 eine viel beachtete Studie veröffentlicht. Damals erhielten 473 Kinder- und Jugendpsycho-therapeuten beziehungsweise Kinderpsychiater eine von vier unterschiedlichen Fallgeschichten. Nur jeder vierte Fall enthielt starke Anhaltspunkte für ADHS. Die Diagnosekriterien der Teilnehmer variierten sehr stark.

Ob eine neue Leitlinie diese bekannten Probleme lösen wird, ist fraglich. Zu wenige Diagnostiker haben sich  mit den Empfehlungen befasst.

Teil 2

Altbekannt schien zu sein, dass bis zu 50% aller Jugendlichen mit ADHS ihre  Erkrankung/ihr Verhalten in modifizierter Form ins Erwachsenenalter mitnehmen. Jetzt wird diese These in Frage gestellt. Thomas Müller berichtet in einem Artikel der Ärztezeitung über Veröffentlichungen, die davon ausgehen, dass die allermeisten Jugendlichen ihr ADHS verlieren und dass die Erwachsenenform bei anderen Menschen erst im Erwachsenenalter beginnt. In einer Studie waren die ADHS-Symptome unter Erwachsenen gar meist in einem späten Alter aufgetreten und dabei fast immer mit dem Konsum von Alkohol und Drogen verbunden oder auf andere psychische Störungen zurückzuführen. Die Autoren stellen daher die Frage, ob ein spät beginnendes ADHS überhaupt existiere oder ob die Symptome nicht vielmehr Begleiterscheinung anderer psychischer Probleme seien.

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