Neues von der Migraine-Behandlung

Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit der Migräne 4–5 %. Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen. Über die Behandlung gibt es zunehmend Konsens innerhalb der medizinischen Fachgesellschaften. Eine Kombination von Medikamenten mit Verhaltenstherapie und pflanzlichen Wirkstoffen ist in der neuen LeitlinieEntspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne“ der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) die Richtschnur zur Therapie. Neben dem ärztlichen Gespräch über die Achse Stress-Entspannung-Migräne hat sich die Progressive Muskelentspannung als hocheffektiv bei der Prophylaxe der Migräne erwiesen.

Matthias Bastigkeit weist in seiner Newsletter bei DocCheck  auch auf den  „Migräneradar“ hin: „Damit wollen Wissenschaftler und Studierende der Hochschule Hof zur Erforschung der Migränepathogenese beitragen. Ziel des Projektes ist die systematische Untersuchung von Faktoren, welche anfallartige Kopfschmerzen wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen auslösen können. Dabei wird auf die Mitwirkung vieler Patienten gebaut, welche nach einer Registrierung über eine Web-Anwendung oder über Smartphone-Apps ihre Anfälle melden.“

Bei den pflanzlichen Wirkstoffen wird nunmehr einhellig die Wirksamkeit von Pfefferminzöl anerkannt. Nahezu alle Leitlinien für Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Migräne sowie Kopfschmerzen im Kindesalter empfehlen die lokale Anwendung von Pfefferminzöl in alkoholischer Lösung. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie bestätigt dies ihrer S1-Leitlinie Spannungskopfschmerz.

Die Praxisleitlinie „Primäre Kopfschmerzen“ der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin führt Pfefferminzöl als ein Mittel der ersten Wahl zur Akuttherapie bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp auf. „Die kutane Applikation von Pfefferminzöl (Oleum menthae piperitae) in 10%iger ethanolischer Lösung ist wirksam zur Behandlung des episodischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Die Wirkung ist der Einnahme von Paracetamol 1000mg oder Acetylsalicylsäure 1000mg ebenbürtig“.

Bastigkeit zu den Grundlagen: „Pfefferminzöl kann außerdem die Wirkungen der Botenstoffe Serotonin und Substanz-P hemmen. Beide Substanzen spielen bei den Regulationsmechanismen, die für die Entstehung von Kopfschmerzen verantwortlich sind, eine entscheidende Rolle. Zahlreiche weitere Wirkmechanismen von Menthol als Monosubstanz und Pfefferminzöl als Wirkstoffgemisch sind dokumentiert.“

Nicht befürwortet wird hingegen das „medizinisches Piercen“ gegen Migräne und Spannungskopfschmerz am Ohrknorpel.

Eines bleibt hingegen unverändert: Aufklärung und Beratung der Kinder und Jugendlichen sind das A und O. Dabei hilft ein sehr gutes Video der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln, das auf der Homepage der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft eingestellt wurde, oder hier bei YouTube. Es wendet sich direkt an die Betroffenen: Woher die Beschwerden kommen – und wie man sie bekämpft.

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