Bei Verhaltensproblemen schon an Zöliakie gedacht?

Ängstlichkeit, Depression, Aggressivität, Aufmerksamkeitsstörung und Schlafprobleme sind im Vorschulalter nicht so selten, aber nicht immer leicht zu diagnostizieren. Als Symptome einer bis dahin nicht erkannten Zölakie, früher auch Sprue genannt, sind sie meist nur Kinderärzt_Innen bekannt. Die Hauptsymptome der Zöliakie (u.a. Durchfall, mangelnde Gewichtszunahme, aufgetriebener Bauch, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Anämie) lernt man als Arzt schon in der Ausbildung. Dass sich die Zöliakie aber nur als Verhaltensproblem äußert, ist nicht allen bekannt.

Gerade darauf aber weisen noch einmal die Ergebnisse einer neuen internationalen Studie eindrucksvoll hin, an der Kliniken in den USA, Finnland, Deutschland und Schweden beteiligt waren und die jetzt in Pediatrics veröffentlicht wurden. Fast 4000 Kinder mit einer familiären Belastung für Zöliakie wurden regelmäßig in den ersten fünf Lebensjahren untersucht. Als die Kinder 3 1/2 Jahre alt waren, konnten durch Antikörper-Tests im Blut bei 66 Kindern eine Zöliakie diagnostiziert werden, deren Eltern sich der Diagnose nicht bewusst waren. 440 Kinder wurden darüber hinaus diagnostiziert, deren Eltern sich der Diagnose bewusst waren. Eltern, die sich der Diagnose nicht bewusst waren, klagten deutlich häufiger über Ängstlichkeit, Depression, aggressivem Verhalten und Schlafproblemen bei ihren Kindern als Eltern, die sich der Diagnose bewusst waren.

Das lässt daran denken, dass Zöliakie als Ursache von Verhaltensproblemen zu selten in Betracht gezogen werden könnte. Zumindest waren auch die Autoren der Untersuchung überrascht über die Häufigkeit des Auftretens. Kleiner oder großer Wermutstropfen? Eine glutenfreie Diät, die Standardbehandlung der Zöliakie, änderte wenig an den Verhaltensproblemen der Kinder. Eine Frage der Zeitdauer? Das bleibt noch offen.

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