Krankheiten riechen und schnüffeln

Bewusst ein doppeldeutiger Titel, denn zwei Dinge gibt es neu von der Nase: Erstens: Wenn man nicht mehr gut riecht, kann das eine Krankheit ankündigen. Und zweitens: Wenn man/Hund besonders gut schnüffelt, kann er Krankheiten womöglich erriechen.

Zum ersten Fall gibt es einen Artikel bei wissenschaft.de, der fragt, ob Hausärzte künftig einen Geruchstest machen sollten, da nachlassende Riechleistungen ein HInweis für degenerative Erkrankungen sein können, z.B. Alzheimer oder Parkinson.

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Masernhäufigkeit weltweit: Anstieg um 300%

Noch vor 30 Jahren schienen Masern dank der weltweiten Impfkampagnen kurz vor der Ausrottung. Jetzt steigt die Erkrankungszahl laut WHO rapide an (Bericht bei univadis). Grund dafür sind Armut und Kriege in der dritten Welt, teils auch religiös bedingte Ablehnung von Impfungen, und das Misstrauen gegenüber Impfungen in Europa und den USA, „weil die Krankheit sich unter ungeimpften Personen schnell ausbreitete“. Um die Erkrankungskette zu unterbrechen, ist eine Impfhäufigkeit von ca. 95% notwendig. Siehe meinen Beitrag vom 13. März: Die Bereitschaft, Kinder zu impfen: eine Vertrauensfrage? Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) sprach sich für eine Impfpflicht in Deutschland aus, doch die Ministerpräsidenten der Länder sind skeptisch.

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Traubenzucker macht fit

Kennt ihr das? Meine Mutter hatte immer Traubenzucker-Bonbons (damals „Dextro-Energen“) in der Tasche, gegen Müdigkeit, z.B. beim Autofahren. In den vergangenen Jahren wurde immer häufiger daran gezweifelt, dass Zucker fit macht. Hier kommt der nächste Baustein für Zweifler: Sugar rush or sugar crash, ein Review in Neuroscience.

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Die Bereitschaft, Kinder zu impfen: eine Vertrauensfrage?

Infektionskrankheiten wie z.B. Masern könnten schon längst der Vergangenheit angehören, wenn mehr als 95% der Bevölkerung geimpft wären. Die Impfpflicht, wie es sie z.B. in der DDR gab, ist jedoch in vielen Ländern Europas abgeschafft worden. Das hat dazu geführt, dass die Zahl der Masernfälle in Europa im das Dreifache angestiegen ist. Spitzenreiter in Europa ist mit großem „Vorsprung“ die Ukraine. Fehlende Impfungen sind z.T. durch die Kriegs- und Armutssituation bedingt. Aber auch in Deutschland (2017: 929, 2018: 543 Fälle), Frankreich (2018: 2913 Fälle), Italien (2018: 2517 Fälle) und England (2018: 953 Fälle) melden bedenklich hohe Fallzahlen. Europaweit wurden 2018 72 Todesfälle durch Masern gezählt, verglichen mit  42 im Jahr 2017. Nicht meldepflichtig sind die Fälle von Kindern mit chronischer Hirnentzündung durch Masern, die nicht heilbar ist.

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Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das ADHS Risiko beim Kind

Es ist schon lange bekannt, dass toxische Komponenten des Tabakrauchs Schädigungen beim ungeborenen Kind hervorrufen können. Das Risiko für Fehlbildungen, Krankheiten und Entwicklungsstörungen ist erhöht. Dass auch das Risiko für eine Aufmerksamkeitsstörung erhöht ist, unterstreicht eine kürzlich publizierte Studie aus Finnland.

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Dem Autismus mit Vitaminen vorbeugen?

Angeborene Fehlbildungen des Rückenmarks lassen sich vermeiden: Vor der Zeugung und während der ersten drei Schwangerschaftsmonate regelmäßig eingenommene Folsäure beugt dem „offenen Rücken“ (spina bifida) in ca. 70% vor.  Folsäure ist ein Vitamin der B-Gruppe: Die Einnahme birgt keine Risiken. Die notwendige Menge kann man nicht durch normale Nahrungsmittelmengen erreichen. Möglicherweise verringert sich durch die Substitution mit Folsäure auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind mit einer Gaumenspalte auf die Welt kommt.

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Pläne gegen Kinderarmut greifen nicht

Fast jedes vierte Kind in Deutschland lebt nach neuesten Zahlen in Armut. Deshalb sollte die Verringerung von Kinderarmut oberstes Ziel der Bundesregierung sein, wie sie es auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat, fordert der Deutsche Kinderschutzbund.

Raimund Schmid fasst in der Kinderärztlichen Praxis (2018; 89 (5) Seite 357-358) Stellungnahmen des Kinderschutzbundes, der Diakonie Deutschland und des Deutschen Kinderhilfswerks zusammen. „Das Kindergeld und den steuerlichen Kinderfreibetrag anzuheben kostet den Staat viel Geld, bringt aber für Kinder in Armut unterm Strich nicht viel“, kritisiert Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. „Familien, die Hartz IV, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, gehen leer aus. Bei ihnen wird das erhöhte Kindergeld mit der jeweiligen Leistung verrechnet.“

Damit geht die Schere zwischen Arm und Reich in der Familienförderung weiter auseinander. Hinzu kommt: Familien mit höherem Einkommen werden bereits jetzt über den Freibetrag um bis zu 100 Euro mehr entlastet als Familien der unteren und mittleren Einkommensgruppen über das Kindergeld. Für die Jahre 2019/2020 sieht der Gesetzentwurf vor, dass Familien mit unteren Einkommen über das Kindergeld insgesamt 180 Euro zusätzlich für beide Jahre erhalten. Familien mit sehr hohem Einkommen werden über den Kinderfreibetrag jedoch im gleichen Zeitraum um bis zu 273 Euro entlastet. „Pläne gegen Kinderarmut greifen nicht“ weiterlesen

DDT als Autismus Trigger?

In den 70er Jahren wurde das Insektizid DDT aus dem Handel und der Produktion genommen. Aber in der Nahrungskette wird es weiter verbreitet, und es wird im Körper nur langsam abgebaut. Eine toxische Wirkung auf Chromosomen ist bei exponierten Personen bekannt gewesen. Doch wird die Auswirkung durch eine finnische Studie neu beleuchtet: Unter finnischen Kindern, die in den Jahren von 1987 bis 2005 geboren wurden, waren 778 Kinder an Autismus erkrankt. Mütterliches Blut aus der Frühschwangerschaft wurde auf ein wichtiges Abbauprodukt von DDT hin untersucht. Im Blut der Mütter, deren Kinder Autismus hatten, waren die DDT-Spiegel hochsignifikant erhöht. Neben vielfältiger genetischer Faktoren konnte so erstmalig gezeigt werden, dass Insektizide ein auslösender Trigger für die Entstehung von Autismus sind. Vielleicht kommt man so der Beantwortung einer wichtigen Frage näher: Warum steigt in der ganzen Welt die Zahl der von Autismus betroffen Kinder derart an?

Gegen die Kurzsichtigkeits-Epidemie hilft: Kinder an die Sonne und weiße Schrift auf schwarzem Grund

Diesen Begriff benutzt die Augenärztin Padmaja Sankaridurg vom Brien Holden Vision Institute in Sydney abgesichts der in Europa, den USA und vor allem in Asien stark steigenden Zahlen an Menschen mit Kurzsichtigkeit (Myopie). Die Gutenberg-Gesundheitsstudie ergab bei mehr als der Hälfte der Hochschul-Absolventen eine Myopie. Es wird befürchtet, dass bis Ende dieses Jahrzehnts weltweit rund 2,5 Milliarden Menschen an der Sehstörung leiden könnten.

In China beträgt die Kurzsichtigen-Quote 31 Prozent, das entspricht dem Wert in westlichen Ländern. An weiterführenden Schulen sind aber 77 Prozent der Jugendlichen kurzsichtig, an den Universitäten sind es noch mehr. Auch in westlichen Ländern steigt die Quote mit der Bildung. Woran liegt das? Und warum ist das besonders in Asien so ausgeprägt?

Eine australische Studie, die 2012 in der Zeitschrift The Lancet erschien, macht mehrere Faktoren für diesen Trend verantwortlich. Erstens: Asiatische Schüler und Studenten arbeiteten härter als westliche, sie verbrächten mehr Zeit vor Büchern und Bildschirmen. Das stresst die Augen und regt das Längenwachstum des Augapfels an. Und wenn der zu groß ist, kann die Linse das Bild nicht mehr auf der weiter entfernten Netzhaut fokussieren.

Die Vererbung spielt zwar auch eine Rolle, aber entscheidend ist: Die jungen Asiaten bekommen zu wenig Sonnenlicht ab (nur die Asiaten?). Zusätzlich zu den vielen Stunden, die sie mit Lernen verbrächten, sei in diesen Ländern häufig noch ein Mittagsschlaf üblich, sodass sich die Kinder nur eine Stunde pro Tag im Freien aufhielten. Sonnenlicht aber rege die Produktion von Dopamin an. Von diesem Botenstoff wird vermutet, dass er das Längenwachstum des Augapfels bremst und so der Kurzsichtigkeit vorbeugt. Zwei bis drei Stunden an der frischen Luft würden die schädlichen Folgen des vielen Lesens wieder kompensieren, heißt es in der Studie, die von der Zeit zitiert wird. Hinzu kommt, dass durch die Luftverschmutzung in China viele Kinder weder die Sonne sehen noch die Gebäude verlassen sollen. Kindergärten und Schulen wurden aufgefordert, die Kinder mindestens zwei Stunden täglich an das Licht zu schicken (wenn es denn hell wird).

Aber auch in Deutschland fordert der Augenarzt Wolf Lagrèze vom Universitätsklinikum in Freiburg: „Die Lichtmenge ist der entscheidende Faktor. Weil Tageslicht um den Faktor 100 heller ist als Licht in Innenräumen, empfehle ich Eltern: Schicken Sie Ihre Kinder mindestens zwei Stunden pro Tag raus!“

Untersuchungen der Tübinger Wissenschaftler um Professor Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde haben noch einen anderen  Erklärungsansatz geliefert, berichtet univadis. Das Lesen von schwarzem Text auf hellem Hintergrund fördert die Kurzsichtigkeit, das Lesen von hellem Text auf dunklem Hintergrund hingegen wirkt der Myopie entgegen.

In der Netzhaut gibt es nämlich Zellen, die bewerten, ob in ihrem lichtempfindlichen Bereich die Mitte heller und die Umgebung dunkler ist (ON-Zellen). Andere wiederum bewerten, ob die Mitte dunkler, und die Umgebung heller ist (OFF-Zellen). Während einer normalen Seherfahrung werden beide Typen ähnlich stark gereizt. Mittels der optischen Kohärenztomographie (OCT) kann im lebenden Auge die Dicke der Gewebsschichten genau vermessen werden. Anhand der Veränderung der Dicke der Aderhaut kann vorhergesagt werden, wie das Auge wachsen wird. Wird die Aderhaut dünner, weist das auf die Entwicklung einer Myopie hin, wird sie dicker, bleibt das Augenwachstum gehemmt, es entwickelt sich keine Myopie.

Alleman, Wang und Schaeffel haben nun Versuchspersonen dunklen Text auf hellem Hintergrund lesen lassen sowie hellen Text auf dunklem Hintergrund. Bereits nach 30 Minuten konnten sie mit der OCT messen, dass die Aderhaut des Auges dünner wurde, wenn schwarzer Text gelesen wurde, und dicker, wenn Text mit umgekehrtem Kontrast gelesen wurde.

Die Befunde der Tübinger Forscher lassen erwarten, dass schwarzer Text auf hellem Hintergrund die Myopieentwicklung fördert, und heller Text auf dunklem Hintergrund die Myopie hingegen hemmt. Den Textkontrast umzukehren, wäre deshalb eine einfach umzusetzende Maßnahme, die Myopieentwicklung aufzuhalten, denn immer mehr Zeit wird beim Arbeiten und Lesen an Computerbildschirmen und Tablets verbracht. Um diese Strategie gegen die Entwicklung von Kurzsichtigkeit zu überprüfen, haben die Wissenschaftler eine Studie mit Schulkindern geplant. Ihre aktuelle Untersuchung zeigt aber bereits im Experiment, dass sich die Aderhautdicke in beide Richtungen ändern kann: nur durch Lesen mit verschiedenem Textkontrast.

 

Trink-Training: Das Märchen von den zwei Litern

Wer kennt sie nicht: all die nuckelnden und schlürfenden großen und kleinen Menschen mit ihrer Nuckelflasche in Greifweite. Sie hängt am Kinderwagen, steht auf dem Bürotisch und ist immer in greifbarer Nähe zum Mund. Deutschland bereitet sich auf den Sahara-Zustand in der Klimakatastrophe vor. Ständige und allgegenwärtige Lebensgefahr: Verdursten am Straßenrand, untrainierte Nieren, Schädigungen des Stoffwechsels. Begründung: Unser Körper verliert schließlich 2,5 Liter Flüssigkeit. Und die müssen ja wieder reinkommen: minimale Wasseraufnahme: 2 Liter täglich.

Endlich tritt dem mal jemand entgegen: Michael van den Heuvel in DocCheck News. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) nehmen gesunde Erwachsene im Schnitt 1.440 ml Wasser über Getränke und 875 ml über feste Nahrung auf. Bei der physiologischen Verbrennung der Nährstoffe im Körper fällt sogenanntes Oxidationswasser an. Das sind im Schnitt weitere 335 ml. Und die gleiche Menge scheiden wir dann wieder aus: über unseren Urin (1.440 ml), den Stuhl (160 ml), über die Haut (550 ml) und die Lungen (500 ml), individuell sehr unterschiedlich, z.B. je nach Schwitzen und Stuhlmenge. Die Richtwerte für die „richtige“ Trinkmenge schwanken bei Menschen ohne Vorerkrankungen zwischen 400 ml (Säuglinge ab dem vierten Monat) und 1.710 ml (Stillende). Experten der DGE raten Erwachsenen dazu, je nach Alter, etwa 1.200 bis 1.500 ml Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

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