Traumafolgen über Generationen hinweg

Menschen, die ein schweres Trauma durchlebt haben, leiden oft viele Jahre, teilweise lebenslang, unter den psychischen Folgen. Auch ihre Bindungsfähigkeit und der eigene Erziehungsstil können davon beeinflusst sein. Sogar die nachfolgende Generation könne betroffen sein, sagt Dr. Rahel Bachem, Klinische Psychologin, die in einem Fachzeitschriften-Beitrag das Phänomen der so genannten Trauma-Transmission näher beschreibt.

Dr. Thomas Kron beschreibt in seinem Beitrag bei univadis/Psychotherapie im Dialog, wie nahe Angehörige von traumatisierten Personen Symptome entwickeln können, die denen der Betroffenen stark ähneln: Sie leiden unter Ängsten und depressiven Beschwerden. Auch typische Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) können auftreten. Wie sehr die eigenen Kinder „mitleiden“, hängt Studien zufolge von der Stärke der elterlichen PTBS-Symptome ab sowie von der Art des Traumas. Die Opfer hätten oft Schwierigkeiten, sich langfristig auf intime Beziehungen einzulassen. Das zeige sich dann auch in der Beziehung zu den eigenen Kindern, zu denen sie keine enge und zärtliche Beziehung aufbauen könnten. Zudem zeigten Untersuchungen, dass die Furcht der Eltern vor neuen Situationen oder fremden Personen sich ebenfalls auf die Kinder überträgt. Das hindere die Kinder daran, altersgerechte Erfahrungen zu machen. Es sei daher wichtig, auch die Partner und Partnerinnen traumatisierter Elternteile psychosozial zu unterstützen und in ihrer Elternrolle zu stärken.

Um die Weitergabe von Traumata zu vermeiden, müsse zudem das Schweigen in der Familie durchbrochen werden. „Oft scheint eine unausgesprochene Abmachung zu gelten, nicht über das Trauma der Eltern zu sprechen“, sagt Bachem. Die Kinder empfinden dann zwar die psychische Belastung der Eltern, bekommen aber keine Erklärung. Solchermaßen im Ungewissen gelassen, hätten sie im späteren Leben eher zwischenmenschliche Schwierigkeiten und könnten emotionale Nähe schlechter zulassen. Darum solle mit den Ursachen des Traumas möglichst offen umgegangen werden – entsprechend der kognitiven Reife und den emotionalen Bedürfnissen des Kindes.

Zur Erklärung des komplexen Prozesses der transgenerationalen Trauma-Weitergabe sind mehrere sich teilweise ergänzende, aber auch widersprechende  Konzepte entwickelt worden:

  • der psychoanalytische Ansatz,
  • das sozialisationstheoretische Erklärungsmodell
  • das Familiensystem- bzw. Familienkommunikationsmodell
  • und das biologische Transmissionsmodell/epigenetische Modelle.

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