Säuglings Überwachung mit dem Smartphone App

Jede Mutter und jeder Vater kennen diese ängstlichen Momente, in denen sie am Bettchen ihres kleinen Säuglings standen und für kurze Zeit unsicher waren, ob das Kind noch atmet. Atmung nicht zu sehen oder zu hören erzeugt Angst, selbst dann, wenn das rosige Gesichtchen absolut keine Gefährdungszeichen signalisiert. Und in der darauffolgenden Nacht schleichen Mama oder Papa noch einmal heimlich zum Kind.

Diese Angst könnte man sich sparen, denkt so manch einer, besonders als Eltern eines Frühgeborenen oder nach dem Gespräch mit Freunden über den plötzlichen Kindstod. Tatsächlich richten viele Eltern den Wunsch nach einem Heimmonitor an ihren Kinderarzt. Solch ein Monitor ist ja wesentlich sicherer als die Audio Überwachung per Babyphon.

Neuere Monitore dienen nicht nur mit der Anzeige von Atemtätigkeit sondern können auch den Puls und die Sauerstoffsättigung des Blutes messen. Nicht hingegen bedenken diese Eltern, dass eine scheinbar wachsende Sicherheit vielleicht vermehrte Ängste produziert, verstärkt durch Fehlalarme, das ständige Ankleben verrutschter Elektroden oder Sensoren und die Ungewissheit, ob man im Fall eines „echten“ Alarms auch die richtigen Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen wird. Immerhin treten durchschnittlich 6 Fehlalarme pro Überwachungstag auf, berichtet Salimi-Palum in seiner Dissertation an der Universität München. Angstepisoden und zunehmende Geringschätzung des Alarms sind meistens die Folge. Davon abgesehen gibt es keine Studie, die eine Verringerung der Todesfälle bei Kindern mit erhöhtem Risiko für plötzlichen Kindstod nachweist.

Die deutsche „Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Kindstod“ informiert über die medizinische Verschreibung von Heimmonitoren und über die sehr wirksamen Vorbeugemaßnahmen:

  • Säuglinge sollten im ersten Lebensjahr in Rückenlage schlafen.
  • Säuglinge sollten sowohl vor als auch nach der Geburt in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen.
  • Auf Bettdecken sollte für Säuglinge grundsätzlich verzichtet werden, stattdessen sollte dem Säugling ein in der Länge und Weite passender Schlafsack angezogen werden.
  • Säuglinge sollten im elterlichen Schlafzimmer, aber im eigenen Bett schlafen.
  • Die Raumtemperatur zum Schlafen sollte zwischen 16-18°C betragen.
  • Säuglinge sollten – wenn möglich – 6 Monate voll gestillt werden.

Die Kosten eines Heimmonitorings inkl. Verbrauchsgüter und regelmäßiges Auslesen der Daten und deren Interpretation durch einen erfahrenen Arzt sind hoch. Nur bestimmte zugelassene Geräte dürfen verwendet werden. Die Verschreibung muss in Deutschland medizinisch begründet sein. All diese Hürden können jetzt scheinbar drastisch abgebaut werden, wenn Eltern wie in den USA zunehmend Geräte kaufen, die nur noch ca. 250 Dollar kosten und die Überwachungsdaten per App an das Smartphone der Eltern schicken. Die Kosten sind u.a. deshalb so gering, weil die Hersteller eine Qualitätsüberprüfung der Behörde (FDA) vermeiden, indem sie die Geräte zur physiologischen Schlafüberwachung deklarieren. Dazu gab kürzlich Dr. Bonafide ein ausführliches Interview bei medscape mit dem Titel „Warnen Sie Eltern vor Apps zum Baby-Monitoring“. Die Sicherheit der Geräte sei weder bezüglich der Software noch der Gerätehardware gesichert. Der Nutzen sei völlig unbewiesen.

Dr. Bonafide hatte dazu kürzlich bei JAMA publiziert: „Despite the lack of publicly available evidence supporting the safety, accuracy, effectiveness, or role of these monitors in the care of well infants, sales of these products are brisk and the market is expanding.“ Allein der führende Hersteller habe im vergangenen Jahr 40.000 „Socken“-Monitore verkauft.

 

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