Neues vom Nicht-Essen und von der Beikost

„Mein Kind will nichts essen“ titelt eine neue Ausgabe von Allgemeinarzt-online mit einem Artikel von Maria Flothkötter. Verunsicherte Eltern sollen beruhigt und gelassen reagieren. Mir scheint der „Mahlzeitenrhythmus“ dabei ein besonders wichtiger Aspekt zu sein, sehen wir doch in jeder Stadt im Gehen essende Erwachsene und Kinder. „Damit der Hunger eine Chance hat“, sollten in den Essenspausen zwischen den Mahlzeiten weder Snacks, zuckerhaltige Getränke noch Milch angeboten werden, da diese das Kind sättigen können… Kleinkinder sollten ihre Mahlzeiten in einem regelmäßigen Rhythmus bekommen. Anzahl, Rhythmus und Art der täglichen Mahlzeiten sind kulturell geprägt. Hierzulande bewährt haben sich drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten, die sich mit essensfreien Zeiten abwechseln. Feste Essenszeiten, das gemeinsame Decken des Tisches und ein Ritual zum Anfang sorgen für verlässliche Strukturen.“

Ab welchem Alter bekommen Säuglinge Beikost? Mit dem „Zoff ums Beifüttern“ beschäftigt sich ein kritischer und sehr lesenswerter Beitrag des Kinderarztes  Herbert Renz-Polster. Er setzt sich mit Richtlinien zur Einführung der Beikost auseinander, auch mit den Richtlinien des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund (siehe dort: Ernährungspläne). Wie fast immer landet er bei seinem Lieblingsargument: dem evolutionären Programm. Und da möchte ich ihm im Großen und Ganzen schon Recht geben:

„Gleich war dabei immer nur das: das, was ein Baby bekam, war Teil seines gewohnten Nahrungsumfeldes, das ihm geschmacklich und immunologisch schon vom Fruchtwasser und der Muttermlich bekannt war. Das waren sicher keine Gläschen mit Lychies aus Indonesien – und das war auch nicht ein ratzeputz entweder morgens, mittags oder abends zu verzehrender Brei.  Die Beikost war vielmehr so variabel wie die tägliche Kost der Großen. Ja, gewiss, sie wurde babymund-gerecht dargeboten, aber sicher bestand sie nicht immer aus Brei. Und das Stillen – das ging weiter (unter anderem auch deshalb, weil die Mütter eben NICHT auf den Rat irgendwelcher Fahrpläne geachtet haben, nach denen sie angeblich ganze Stillmahlzeiten durch Löffelkost ersetzen sollen und dann bald schon ganze halbe Tage lang Löffelchen statt die Brust geben…).“

Und passend zum Thema Beikost gibt es neue Empfehlungen des Europäischen Instituts für Stillen und Laktation. Hier wird darauf hingewiesen, dass sich die europäischen Leitlinien immer mehr angleichen. U.a. finden sich Veröffentlichungen der Europäischen Leitlinie Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) und Handlungsempfehlungen von
„Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ aus der Monatsschrift  Kinderheilkunde.

Aufklären und Eltern informieren ist auch das große Ziel der Stiftung Kindergesundheit. Und dazu gibt es (wer hätte das geahnt?) die passenden Apps. Ja, Sie haben richtig gelesen: Plural, nämlich gleich eine ganze App-Trilogie. Whow! „Baby & Essen“, „Kind & Essen“und „Schwanger & Essen“. Passt denn dazu der aktuelle SPIEGEL-Leitartikel mit Hamletischer Assoziation „Essen oder nicht essen – Der Ernährungskult“?

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