Masernimpfung schützt auch vor Gedächtnisverlust der Körperabwehr

Dass Masern bei Kindern tödlich verlaufen können oder mit schweren Komplikationen verbunden sein können, ist leidlich bekannt. Dass Masernepidemien in Entwicklungsländern besonders oft tödlich sind, weil die Kinder durch andere Erkrankungen geschwächt sind, ist ebenso lange bekannt. Dass Masernviren aber auch bei gesunden Kindern jahrelang wirksame Beeinträchtigungen des Körperabwehrsystems zur Folge haben können, wurde in zwei neueren Arbeiten eindrucksvoll belegt.

So kommt es bei einer Maserninfektion häufiger auch zu weiteren Infektionen wie beispielsweise bakteriell bedingten Lungen- oder Mittelohrentzündungen. In einer kürzlich im Vereinigten Königreich (UK) durchgeführten Masern-Kohortenstudie wurde nachgewiesen, dass zehn bis 15 Prozent der Kinder noch fünf Jahre nach einer Maserninfektion Anzeichen einer deutlichen Beeinträchtigung des Immunsystems aufwiesen (und zwar speziell der Immungedächtniszellen B-Lymphozyten), was zu einem erhöhten Auftreten sekundärer Infektionen führte.

Jetzt haben Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im Verbund mit Wissenschaftlern aus Großbritannien und den Niederlanden herausgefunden, dass Masernviren einen Teil des immunologischen Gedächtnisses löschen. Damit werden Betroffene auch über die Maserinfektionszeit hinaus empfänglicher für Infektionen mit anderen Erregern. Bei etwa zehn Prozent der mit Masern infizierten Personen in der Untersuchung war die Vielfalt der Immunzellen sogar sehr stark beeinträchtigt. Zudem fand sich eine Verschiebung hin zu immunologisch unreifen B-Zellen, was auf eine beeinträchtigte B-Zellreifung im Knochenmark hinweist.

Die Ergebnisse bestätigen, dass das Immunsystem nach einer Maserninfektion quasi vergisst, mit welchen Erregern es zuvor in Kontakt gekommen war. Es kommt zu einer „Immunamnesie“.

Laut Dr. Michael Mina (Harvard Medical School u.a.), Erstautor einer von zwei aktuellen Studien, beseitigten Masernviren in seinen Untersuchungen bis zu 73 Prozent der verschiedenen Antikörper, die eine Person vor Viren- und Bakterienstämmen schützen und Hautinfektionen. „Die Bedrohung der Menschen durch Masern ist viel größer, als wir uns bisher vorgestellt haben“,  so der leitende Autor Professor Stephen Elledge (Harvard Medical School und Brigham and Women’s Hospital). Und: Der Masern-Impfstoff habe einen noch größeren Nutzen als bisher angenommen.

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