Masernhäufigkeit weltweit: Anstieg um 300%

Noch vor 30 Jahren schienen Masern dank der weltweiten Impfkampagnen kurz vor der Ausrottung. Jetzt steigt die Erkrankungszahl laut WHO rapide an (Bericht bei univadis). Grund dafür sind Armut und Kriege in der dritten Welt, teils auch religiös bedingte Ablehnung von Impfungen, und das Misstrauen gegenüber Impfungen in Europa und den USA, „weil die Krankheit sich unter ungeimpften Personen schnell ausbreitete“. Um die Erkrankungskette zu unterbrechen, ist eine Impfhäufigkeit von ca. 95% notwendig. Siehe meinen Beitrag vom 13. März: Die Bereitschaft, Kinder zu impfen: eine Vertrauensfrage? Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) sprach sich für eine Impfpflicht in Deutschland aus, doch die Ministerpräsidenten der Länder sind skeptisch.

Nicht nur sie, sondern auch viele Eltern und Kinderärzte. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bekräftigte im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (zitiert nach Xing): «Staatliches Handeln ist gefragt, wenn das Risiko, andere Kinder in Kindergärten, Schulen oder in anderen Einrichtungen zu gefährden, nicht anders in den Griff zu bekommen ist.»

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte schon vor zwei Jahren auf verfassungsrechtliche Probleme hingewiesen. Die Experten schlossen aber die Möglichkeit, eine Impfpflicht für bestimmte Krankheiten durchzusetzen, nicht generell aus.

Für Kita-Kinder könnte eine Impfpflicht funktionieren, bei Schul-Kindern ist das möglicherweise schwieriger. Und jenseits der rechtlichen Problematik kommt noch hinzu, dass die Impfung in mehreren Schritten erfolgt und erst danach wirksam wird. Nach einem Masern-Ausbruch in Schleswig-Holstein forderte die oppositionelle Hamburger CDU eine Impfung aller städtischen Mitarbeiter, die mit Kindern arbeiten. Außerdem solle der Besuch einer Kita für Kinder nur noch mit «einwandfrei nachgewiesenem Impfstatus» möglich sein, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Birgit Stöver der dpa. Laut Hamburger Senat liegt die Impfquote bei 93,5 Prozent. Das «reicht schon heute nicht, um Ansteckungen vollständig zu verhindern, geschweige denn die Masern vollständig auszurotten», sagte Stöver.

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