Feinstaub in der Stadt: auch ein Grund für die Zunahme von Frühgeborenen?

Die Gefahr ist kleiner als 0,01 Millimeter und gerade deshalb so tückisch: Feinstaub kann die Atemwege schädigen, Lungenkrankheiten verschlimmern und Herzinfarkte verursachen. Wenn man sich die langfristigen Mittelwerte deutschlandweit anschaut, war es früher viel schlimmer. Sehr instruktiv: Homepage (dort auch die Karte der Mittelwerte) und YouTube-Video des Umweltbundesamtes. Wer weiterhin auf sein Recht als Böllermann/Böllerfrau zu Sylvester pocht und die Gegner als verknöcherte Spassbremsen sieht, sollte sich einmal die explosive Feinstaubzunahme an Sylvester anschauen, z. B. in der Karte auf diesem Blog.

In Stuttgart hat die Stadtverwaltung erstmalig in diesem Jahr Feinstaubalarm ausgelöst. Der neue Alarm gilt für den Autoverkehr von Dienstag, 9.  Januar. Ab Montag, 8.  Januar, sollen „Komfortkamine“ nicht mehr genutzt werden. Eine Stunde lang mit dem Holzkamin heizen, entspricht 100 km Autofahren. Aber Autos und Kohleheizungen verursachen „nur“ ein Viertel des gesamten Feinstaubs: weitere 25% der Feinstaubbelastung werden durch die Landwirtschaft und je ca. 15% durch Energiegewinnung und Industrie verursacht. Und dann gibt es da noch eine gehörige Belastung von 25% durch „Schüttgutumschlag“. Schon mal gehört? Das sind Staubemissionen, die beim Be- und Entladen von Schüttgütern wie Erzen, Kohle, Getreide, Futtermittel u.ä. anfallen. Da kann die Stadt Stuttgart noch so viele Moosmauern errichten, wenn gleichzeitig im Neckarhafen und anderswo Güter geschüttet werden.

All das wird dem Feinstaub bisher angelastet: Schleimhautreizungen und lokale Entzündungen der Luftröhre, der Bronchien oder den Lungenalveolen bis zu verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen, eine erhöhteThromboseneigung oder Veränderungen der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems (Herzfrequenzvariabilität). Doch neben den bislang nachgewiesenen Gefahren droht noch ein anderes Risiko: Die Zahl von Frühgeburten steigt womöglich unter Feinstaubbelastung. Darauf weist eine neue chinesische Studie, veröffentlicht bei JAMA, hin. Über 1,3 Mill. Schwangere wurden in diesem staubbelasteten Land beobachtet. Dabei wurden auch Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von maximal 1 µm (PM1) berücksichtigt. Wichtigstes Ergebnis:  Das Risiko für Entbindungen zwischen Schwangerschafts-Woche 28 und 31 stieg um 20 % und für extreme Frühgeburten um 29 %. Die größte Risikoerhöhung fand man bei jenen Frauen, die im Herbst schwanger geworden waren.

 

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