Rauchende und Alkohol trinkende Mütter stillen seltener und kürzer

Fast hätte man es sich auch denken können, aber nun wissen wir es schwarz auf weiß: „Mütter mit Zigaretten- bzw. Alkoholkonsum und niedriger Bildung stillten signifikant seltener und kürzer. Dabei war das Stillverhalten umso schlechter, je früher nach der Geburt der Genussmittelkonsum aufgenommen wurde. Hingegen führte das bewusste Vermeiden von Genussmittel zu höheren Stillraten (bei Alkoholverzicht mehr als bei Zigarettenabstinenz).“

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Gegen den Zucker im XXL Format

Nachdem jahrzehntelang Fett  der Ernährungsfeind und Dickmacher Nr. 1 war, zeigt sich in den letzten Jahren dass Zucker noch viel gefährlicher ist: als Verursacher von Übergewicht, Diabetes, Herz- und Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck und vieles mehr. Da die Lebensmittelindustrie erfolgreich alle Bemühungen geblockt hat, Lebensmittel mit einfach zu lesenden Ampeln zu kennzeichnen, ist es nach wie vor mühselig, den Kohlehydrat- und Zuckeranteil in Lebensmitteln im Kleingedruckten zu lesen. Aber selbst in „gesunden“ Yoghurts und Müslis überschreitet der Zuckeranteil sehr oft 20 Gramm%.

Da nimmt sich der Appel der Deutschen Leberstiftung doch recht hilflos aus. Dennoch will ich ihn gerne weiterreichen: „Übergrößen im XXL-Format, angereichert mit Unmengen Zucker, ist ein gefährlicher Trend bei Lebensmittelprodukten. Denn wer regelmäßig auf ein solches stark zuckerhaltiges Nahrungsangebot im Übermaß zurückgreift, risikiert, dadurch eine nicht-alkoholische Fettleber in XXL-Größe zu entwickeln.“

„XXL bei Lebensmitteln ist ein Trend, der sich leider auch beim Organ Leber der XXL-Fans widerspiegeln kann: Die Zahlen der großen und kleinen Patienten, die eine nicht-alkoholische Fettleber im „XXL-Format“ entwickeln, sind alarmierend. Fürs neue Jahr rät die Deutsche Leberstiftung beim Genießen zur Formel „Less is More“ anstatt „XXL“.“

Feinstaub in der Stadt: auch ein Grund für die Zunahme von Frühgeborenen?

Die Gefahr ist kleiner als 0,01 Millimeter und gerade deshalb so tückisch: Feinstaub kann die Atemwege schädigen, Lungenkrankheiten verschlimmern und Herzinfarkte verursachen. Wenn man sich die langfristigen Mittelwerte deutschlandweit anschaut, war es früher viel schlimmer. Sehr instruktiv: Homepage (dort auch die Karte der Mittelwerte) und YouTube-Video des Umweltbundesamtes. Wer weiterhin auf sein Recht als Böllermann/Böllerfrau zu Sylvester pocht und die Gegner als verknöcherte Spassbremsen sieht, sollte sich einmal die explosive Feinstaubzunahme an Sylvester anschauen, z. B. in der Karte auf diesem Blog.

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Paracetamol während der Schwangerschaft fördert ADHS beim Kind

Paracetamol ist einWirkstof, der seit den 50er Jahren bei geringen oder mäßig starken Schmerzen eingesetzt wird und fiebersenkend wirkt. Die schmerzstillende Wirkung ist nicht sehr gut, aber das Medikament galt lange Zeit als sehr nebenwirkungsarm, gerade im Vergleich zu ASS und Ibuprofen.

Jetzt wurde eine norwegische Studie in Pediatrics veröffentlicht, die zeigt, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Paracetamol wegen Schmerzen länger als vier Wochen eingenommen haben, doppelt so häufig ADHS bekommen als zu erwarten wäre. Allerdings: Schwangere, die Paracetamol weniger als eine Woche lang genommen haben, brachten Kinder zur Welt, die etwas seltener ADHS hatten. „Auch das 6-fach erhöhte Risiko für ADHS bei Einnahme für die Indikation Fieber sollte jeder werdenden Mutter vor der Einnahme eröffnet werden“, ergänzt Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik in Kiel in einem Gastbeitrag bei medscape.

Und nun noch ein erstaunlicher, neuer Aspekt: „In Hinblick auf die minimale Wirkung von Paracetamol bei Schmerzen und die Unwirksamkeit bei starken oder gar sehr starken Schmerzen sind diese Ergebnisse sowohl für schwangere Frauen als auch potenzielle Väter alarmierend“, so Göbel. Denn nicht nur die langfristige Einnahme von Paracetamol durch schwangere Mütter sondern auch eine langfristige Einnahme von Paracetamol durch den Vater innerhalb von sechs Monaten vor der Zeugung des Kindes erhöht das Risiko für ADS beim Kind! Genauso erstaunlich: immerhin 18,1% der an der Studie teilnehmenden 75.000 norwegischen Väter hatten im Halbjahr vor der Zeugung ihres Kindes Paracetamol eingenommen.

Fracking hat Auswirkungen auf das Wachstum vor der Geburt

Fracking nennt man das hydraulische Aufbrechen von Gesteinsschichten durch Wasser und Quarzsände  zur Energiegewinnung. Fracking ist die neue Goldgrube in den USA und hat das Land  unabhängig von Öl- und Gasimporten gemacht. Umweltverbände warnen seit langem vor den Umweltschäden, die durch Fracking hervorgerufen werden. Denn beim Fracking werden verschiedene Chemikalien ins Wasser geschossen, die das Grundwasser belasten. Zudem verursacht die Förderung Emissionen, welche die Luftqualität verschlechtern. Dazu kommen die Abgase der LKWs rund um den Fracking-Standort.

Besorniserregende Resultate hat eine US-Studie über die Gesundheit von Menschen, die in der Nähe von Fracking Standorten leben. Prof. Dr. Janet Currie von der Universität Princeton wertete dazu die Daten von 1,1 Millionen Neugeborenen aus, die in den Jahren 2004 bis 2013 im Bundesstaat Pennsylvania auf die Welt gekommen waren. Rund 25.000 Frauen lebten im Umkreis von weniger als zwei Kilometer rund um eine der insgesamt 10.000 Bohrstellen. Rund 7.000 Frauen lebten im Umkreis von bis zu einem Kilometer. In Univadis werden die Ergebnisse zusammengefasst:  die Nähe zu einem Bohrloch wirkte sich eindeutig negativ auf das Geburtsgewicht von Neugeborenen aus (25% mehr Neugeborene mit einem verringerten Geburtsgewicht) und einer Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes.

Schütteltrauma verhindern

Im Rahmen des bundesweiten „Bündnis gegen Schütteltrauma” klärt das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums über die Gefahren des Schüttelns von Säuglingen und Kleinkindern auf.

Das NZFH hat Flyer und Innenraumplakate entwickelt, die von Fachkräften kostenlos bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestellt werden können.

Die beteiligten Verbände und Institutionen bitten darum, sich an den Präventionsmaßnahmen zu beteiligen und zum Beispiel den Aufklärungsflyer zum Schütteltrauma Eltern in der Beratung, Sprechstunde oder beim Hausbesuch zu überreichen.

Das Wissen über frühkindliche Schreiphasen, die als Hauptauslöser für das Schütteln von Säuglingen gelten, ist in der Bevölkerung gering. Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), berichtet: „Zwei Drittel der Befragten ist nicht darüber informiert, dass es intensive Schreiphasen im Säuglingsalter geben kann. 18 Prozent der Befragten glauben sogar, dass Babys manchmal nur schreien, um zu ärgern. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern von Babys, die viel schreien, gut informiert sind und wissen, wo sie rechtzeitig Unterstützung finden können.“ Außerdem können Sie Eltern von Säuglingen, die viel schreien, auf die bundesweiten Beratungsstellen auf www.elternsein.info verweisen.

Der Flyer (Bestellnummer 16000535) und das DIN-A2-Plakat (Bestellnummer 16000536) können bei der BZgA per E-Mail: order@bzga.de  oder Fax 0221-8992-257 angefordert werden.

Ein Info-Blatt mit ausgewählten Ergebnissen und Hintergrundinformationen zum Schütteltrauma finden Sie hier:
www.fruehehilfen.de/presse-buendnis-gegen-schuetteltrauma oder
www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/nationales-zentrum-fruehe-hilfen

Das Plakat gibt es auch zum Herunterladen unter:
www.bzga.de/presse/pressemotive/nationales-zentrum-fruehe-hilfen

Computerspielen schrumpft das Gehirn

Das ergibt eine Arbeit aus dem Institut für Pädagogische Psychologie der Universität Ulm, veröffentlicht bei Addiction Biology und im Abstract übersetzt bei univadis. Nicht alle Anteile des Gehirns schrumpfen, aber eine Region, die im Stirnhirn über der Augenhöhle liegt und als orbitofrontaler Kortex bezeichnet wird. Zumindest bei 119 Erwachsenen konnte das gemessen werden, die teils passionierte Online-Spieler waren und teils Spiel-Neulinge. Sie und Erwachsene einer Kontrollgruppe mussten bereit sein, sich in einen Magnetresonanztomografen zu legen und täglich eine Stunde lang das Spiel „World of Warcraft“ zu spielen.

Der betroffene Gehirnbereich ist für die Kontrolle von Emotionen verantwortlich. Der orbitofrontalen Kortex scheint eine wichtige Rolle beim Korrigieren der Bewertung emotionaler Stimuli zu spielen. Wie wird das erst bei Kindern sein?

Künftig Impfstoffe mit Hilfe von Pflanzen gewinnen?

Künftig Impfstoffe mit Hilfe von Pflanzen gewinnen? Das scheint ein billigeres und sicheres Verfahren zu sein. Das würde die gewöhnliche Gewinnung von Impfstoffen aus Bakterien, Insekten-, Säugetierzellen oder Hefe ersetzen und damit Nebenwirkungen aus den Bakterien- oder Zelleiweißen vorbeugen. Pflanzen brauchen lediglich „einfache“ Nährstoffe wie Wasser, Kohlendioxid und Sonnenlicht für ein effizientes Wachstum.

Bei Univadis wird berichtet: „Britische Forscher haben einen Weg gefunden, in Pflanzen einen neuen Impfstoff gegen das Poliovirus zu produzieren. Ein fachübergreifendes Team um Wissenschaftler des John Innes Center in Norwich hat dafür virusähnliche Partikel (VLPs) verwendet, die das Poliovirus nichtpathogen imitieren“. Die Arbeit wurde in Nature Communications vorgestellt.

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Gentherapie mit der Schere

Seit die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier die Nobelpreis-würdige Genschere Crispr/Cas9 entdeckt hat, überschlagen sich die Ereignisse in der genetischen Forschung. Wer nachlesen und hören möchte findet zahlreiche gute Publikationen und Videos: z.B. Wiki, Focus online, ZDF, spektrum.de.

Viele Hoffnungen werden hinsichtlich einer Therapie angeborener Erkrankungen geweckt. Erste Ergebnisse sind schon zu verzeichnen. „Forscher haben Crispr/Cas9 inzwischen bereits erfolgreich eingesetzt, um den für die Sichelzellen-Anämie verantwortlichen Gendefekt in menschlichen Blutzellen zu reparieren, außerdem korrigierten sie eine Alzheimer-fördernde Mutation und den Gendefekt der Duchenne-Muskeldystrophie. Allerdings: Bisher fanden diese Genreparaturen meist entweder bei Tieren oder an adulten menschlichen Zellen statt“, schreibt Nadja Podbregar bei bild der wissenschaft.

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Baby´s Gedächtnis im Schlaf

Dass man im Schlaf Erlebnisse verarbeitet, ist lange bekannt. Die Erkenntnis, dass der Schlaf unser Langzeitgedächtnis ordnet und festigt, ist noch relativ neu. Entsprechend wissen wir, dass Gedächtnis durch Schlafentzug geschwächt wird. Dass auch sehr junge Babies Ereignisse besser speichern und abrufen können, wenn sie geschlafen haben, ist hingegen ganz neu. Klára Horváth und Mitarbeiter der Semmelweis Universität in Budapest konnten zeigen, dass drei Monate alte Babies Bilder von Gesichtern nach einer kurzen Schlafzeit wiedererkennen konnten, aber eben nur nach einer Schlafzeit. Diese Fähigkeit korrelierte mit dem Auftreten von „Schlafspindeln“ im EEG der untersuchten Kinder. Die Arbeit gibt aber keine Auskunft darüber, wie die Ergebnisse in Bezug zur Schlafdauer sind.

In Medscape kommentiert Gina Poe, eine Forscherin der University of California in Los Angeles: „We neuroscientists and biopsychologists have a long way to go before we understand how long different types of memory consolidation tasks take and why. But once the job is done, more sleep may be akin to the builders hammering more nails into a structure that is already securely connected.” Und sie fügt hinzu :“So never wake a sleeping baby.”